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Auszug aus der schriftlichen Prüfung zum Yoga-Lehrer
von Jürgen König
Wie bereits im ersten Kapitel erwähnt, begegnete ich während
einer Panchakarma - Kur in Bad Ems im Frühjahr 2011 Werner Lüchtefeld,
einem Ayurveda - Masseur und gleichzeitig Synergetik – Psychobionik
– Therapeut.
Wir kamen ins Gespräch und er erzählte meiner Frau und mir,
daß es eine Therapiemethode gebe, bei der wir in die Bereiche hineinkönnten,
die wir im Traum erleben. Und nicht nur das, man könne darin auch
agieren, transformieren und so sein Inneres positiv verändern. Der
Therapeut sei dabei lediglich Begleiter. Die Psyche des Einzelnen bestimme
selbst, was ans Tageslicht komme. Wir könnten dabei unsere inneren
Bilder aufspüren und die damit verbundenen Gefühle und gegebenenfalls
auch Traumata aufdecken und heilen. Auf unsere Frage, ob es nicht gefährlich
sei, wenn wir in solche Zustände gelangten, antwortete er: „Es
ist möglich in diese Zustände hineinzugehen, weil der Mensch
dabei immer Beobachter und Moderator ist, der seine eigenen Innenweltanteile
beobachtet und transformiert.“
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht soviel vom vedischen Yoga verstanden,
sodaß mir der Begriff „Beobachter“ nicht so klar war
wie heute. Aber was er uns erzählte, war so reizvoll, daß wir
ihn daraufhin kurze Zeit später aufsuchten und uns auf die Reise
in unsere Innenwelt begaben.
Vorbereitungen zu einer Innenweltreise.
Der Innenweltbegleiter spricht mit dem Klienten über das, was ihn
erwartet und fragt ihn, was er aus seiner Innenwelt erfahren möchte.
Ich suche mir eines von den Halstüchern aus und verbinde mir damit
die Augen. Ich lege mich in eine bequeme Position mit dem Rücken
auf die Matratze und decke mich zu. Die Reise kann zwei bis drei Stunden
dauern. - Es geht los!
Bei einer angenehmen Hintergrundmusik liest der Begleiter etwa 10 Minuten
einen Entspannungstext vor. Es hat Ähnlichkeit mit einer Körperreise
aus dem Yoga Nidra.
Am Ende soll ich mir vorstellen, daß ich eine Treppe hinuntergehe
und auf einen Gang mit einer oder mehreren Türen gelange, auf die
ich mein Thema schreibe. Es kann auch sein, daß schon von selbst
ein Thema auf der Tür steht. Beim letzten Übungswochenende stand
bei mir: „Fahrradunfall!“
Der Innenweltbegleiter fragt: „Willst du die Tür öffnen?“
Nach einem „Ja“ öffnet sich die Tür, unterstützt
vom Geräusch einer sich öffnenden Tür.
Innenweltbegleiter: „Was nimmmst du wahr? Beschreibe, was du siehst
und fühlst etc.“
Bilder, Gefühle, Ereignisse kommen wie in einem ganz realistischen
Film:
Ich trete in einen runden Raum ein, in dessen Mitte ein Tisch steht. Auf
dem Tisch befindet sich eine durchsichtige Pyramide und in dieser Pyramide
ist im unteren Teil links ein dunkler Fleck zu sehen. Bei näherem
Hinsehen sieht er aus wie ein versteinertes zusammengekauertes kleines
Kind. Ein schwarzer Fleck, wie in Harz fest verklebt, versteinert.
Innenweltbegleiter: „Sprich das Kind an: Es soll dir zeigen, mit
welchen Ereignissen aus deinem Leben es zu tun hat.“
Ich, als Beobachter, sehe: Als kleines Kind sitze ich hinten auf einem
Fahrrad. Meine Mutter fährt wie wild einen Waldweg hinunter, der
einen kleinen Abhang über einen Bach führt. Ich bin noch ganz
klein, zwischen 2 und 4 Jahren, sie hat mich irgendwie auf dem Gepäckträger
auf einen Sitz gesetzt. Die Fahrt geht über den Bach. Ein großes
Betonrohr, durch das man im gebückten Zustand durchgehen kann, ist
mit Erde angefüllt und dient als Bachüberführung. Das Rad
bekommt einen Schlag, ich falle aus dem Sitz, fliege durch die Luft. Hier
reißt der Film ab. Ich spüre nicht die Landung auf der Erde.
Was ich wirklich ins Gedächtnis zurückrufen kann, ist „Die
Mama fährt weiter.“
In diesem Moment fühle ich mich von der Welt verlassen und erstarre.
Der Jürgen von heute liegt auf der Matratze, dreht sich wie ein Embryo
auf die Seite und beginnt laut zu heulen, dann zu schreien wie ein kleines
Kind.
Nach einer angemessenen Zeit sagt der Innenweltbegleiter: „Gehe
Du als Jürgen, als Beobachter von heute, zu diesem Kind, das da liegt
hin und rede mit ihm, frag ihn, wie es ihm geht.“
Wieder Heulen und Schreien.
Innenweltbegleiter: „Laß den Film weiterlaufen und schau,
was weiter geschieht…“
Die Mama hatte es dann doch bemerkt und ist zurückgekommen.
Der Schock saß aber so tief, daß dieses Zurückkommen
der Mutter nicht mehr in meinem Gedächtnis war. Dieses damalige Kind
blieb regungslos.
Hier spricht die Psychologie von Abspaltung.
Der Innenweltbegleiter fordert mich auf, den Film zurückzudrehen:
„Geh doch mal zurück, wie es überhaupt dazu kam, daß
die Mutter so gehandelt hat...“
Ich sehe Bilder: Mein Vater und meine Mutter streiten sich, mein Vater
schreit und schlägt meine Mutter ins Gesicht. Sie kann nicht mehr,
reißt mich an sich, rennt raus, setzt mich irgendwie aufs Rad und
fährt wie wild los. Hier wird klar, daß die Mutter das Kind
nicht etwa loswerden wollte (wie das Kind es empfunden hatte), sondern
im Gegenteil vor der Gewalt des Vaters bewahren.
Innenweltbegleiter: „Geh Du heute als Beobachter und jetzt als Moderator
in diese Szene und frage Deinen Vater, weshalb er schlägt.“
Der Vater ist überrascht und wendet sich dem Frager zu. Da bemerke
ich, daß auch mein Vater der Situation nicht mehr gewachsen ist,
sein Bild verwandelt sich wie von selbst in das eines kleinen Babys, das
nach seiner Mutter schreit. Aber auch das Bild meiner Mutter verwandelt
sich plötzlich in das eines Kindes, das total ängstlich und
verunsichert ist.
Ich als Beobachter sehe klar und deutlich, daß beide überfordert
sind. Eigentlich sind beide weder Mann noch Frau, weder Vater noch Mutter,
sie sind zwei bedürftige Kinder.
Als ich das bemerke, frage ich sie (als Beobachter), ob meine Beobachtung
stimme.
Beide nicken und ich spüre ganz deutlich in meinem Inneren, daß
sie sich verstanden fühlen und ich fange wieder an zu weinen. Endlich
fühlen sie sich verstanden.
Ich liege als hilfloses Kind im Dreck am Bachufer.
Plötzlich tauchen meine Eltern aus der Innenwelt auf, die ich aus
früheren Sitzungen kennengelernt hatte. Sie kommen zu mir, heben
mich und nehmen mich in den Arm, um mich zu trösten. Es sind die
archetypischen Eltern, die wir alle haben und die immer bei uns sind.
Wie geht es weiter?
Wenn wir eine solche Abspaltung auflösen wollen, müssen wir
genau in den Augenblick hinein, in dem die Abspaltung passiert ist und
das Kind „beschlossen“ hat, mit niemandem mehr in Kontakt
zu gehen.
Deshalb wird das ganze noch einmal genau an diesem Punkt angehalten und
da mit dem Kind gesprochen.
Genau das mache ich auch und genau an diesem Punkt tauchen die archetypischen
Eltern aus der Innenwelt auf und dieses Kind gibt seine Isolation auf.
Ich, Jürgen von heute, spüre ganz deutlich, wie sich dieser
versteinerte, verharzte Fleck auflöst und lebendig wird.
Der abgestorbene Anteil füllt sich wieder mit Leben.
Was bedeutet das?
Dieses abgespaltene Kind hat dazu geführt, daß ich seit damals
bis heute nie mit hundert Prozent leben konnte. Ein Teil von mir hat mich
immer zurückgehalten und gebremst: zu Beginn der Schulzeit als Fünf-
Sechsjähriger, in der Pubertät, als erwachsener Mann, vor allem
bei wichtigen Entscheidungen. Ich konnte nie etwas hundertprozentig machen,
immer war ein Gefühl da, daß mich etwas bremst.
Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, an dieser Stelle weiter
in die Tiefe zu gehen. Aber die Veränderungen zeigten sich sofort
in kleinen Alltagsszenen, sodaß ich jetzt weiß, die Abspaltung
ist aufgelöst.
In der Psychobionik - Therapie ist hier noch nicht Schluß. Bernd
Joschko hat in seinen jahrzehntelangen Forschungen herausgefunden, dass
diese Transformationen bei den meisten Menschen nur dann wirklich tief
wirken, wenn noch die alten Bilder der negativen Eltern und Kinder, die
nicht der archetypischen Vorlage entsprechen, zerschlagen werden. Diese
Bilder und Gefühle, die sich in unser Gehirn eingebrannt haben, werden
symbolisch mit einem Kunststoffrohr zerschlagen und danach verbrannt,
um zu ermöglichen, dass die archetypischen Bilder an ihre Stelle
treten.
Der Klient setzt sich mit verbundenen Augen hin, nimmt das Kunststoffrohr
in die Hand und zerschlägt damit die negativen Bilder. Das Zerstörte
wird auf einen Haufen geschoben und verbrannt (Feuergeräusch).
Anschließend werden die einzelnen Szenen wieder durchgegangen und
an die Stelle der zerstörten treten von selbst heile Bilder. Anhand
der in dieser Phase auftauchenden Bilder hat der Innenweltbegleiter eine
sehr gute Möglichkeit, den Grad der Verbesserungen abzulesen.
Das ganze ist natürlich ein Prozess. Es kann etwas dauern, bis die
heilen Bilder erreicht werden. Wer diese Technik der Psychobionik anwendet,
wird aber jedes Mal Verbesserungen erreichen.
Ich zitiere aus der WEB Seite von Bernd Joschko:
„Ich bin kein Arzt, Heilpraktiker oder Heiler, sondern ein Pionier
auf dem Gebiet der Selbstheilung. Ich unterrichte dich in dieser Kunst.
Du kannst zwar deine historische Vergangenheit nicht verändern, aber
vieles von dem, was sich negativ auf deiner "Festplatte" (Deine
PSYCHE) abgespeichert hat, werden wir verändern...“
Zusammenfassung:
Was hat nun Psychobionik mit vedischem Wissen und Yoga zu tun?
Psychobionik funktioniert nur, wenn es mir gelingt, in die Rolle eines
neutralen Beobachters zu gelangen, der ohne innere Beteiligung alles aus
der Perspektive des Allbewußtseins, der Wahrheit, beobachtet.
Diese Therapie funktioniert nur, wenn ich ohne Rache, ohne Wut, ohne Vorurteile,
ohne Bewertung, ganz ohne Beteiligung nur aus der Position des Allbewußtseins,
der Wahrheit, in die Rolle des Moderators übergehen und handeln kann.
Das bedeutet, daß ich für eine angemessene Zeit diese Gefühle
auslebe und zulasse und danach wieder in die Rolle des neutralen Beobachters
zurückgehe. Für eine Zeitspanne identifiziere ich mich mit meinen
belastenden Anteilen, um sie zu spüren und die damit verbundenen
Gefühle erleben zu können. Danach gehe ich wieder in die Position
des Beobachters.
Genau dann tauchen die Archetypen, die heilen Bilder, aus dem einheitlichen
Feld auf und führen den Menschen in die Selbstheilung.
Diese Transformation ist besonders nachhaltig, wenn die alten Bilder zerschlagen
werden. Auch wenn wir vielleicht zunächst Hemmungen haben, etwas
zu zerschlagen, wir zerstören oder töten ja nicht unsere wirklichen
Eltern, wir zerschlagen die uns belastenden Bilder. Wir können dies
auch als Selbstverteidigung ansehen, da diese zerstörerischen Bilder
uns daran hindern, unser Leben so zu führen, wie es aus vedischer
Sicht eigentlich möglich ist: alle Lebewesen wollen möglichst
gut und glücklich leben. Vielleicht wird das mit folgendem Vergleich
verständlicher: Viele von uns kennen die Auswirkungen von Kontergan
auf die Entwicklung des menschlichen Körpers, verkürzte Gliedmaßen,
Hände wachsen am Oberarm an und Ähnliches. Der Wachstumsprozess,
der durch unsere Gene koordiniert wird, ist gestört, sodaß
es zu solchen Missbildungen kommt. Stellen wir uns nun vor, wir hätten
ein Mittel gefunden, diesen Prozess wieder so in Gang zu bringen, dass
die Arme und Hände wie vorgesehen gesund nachwachsen können.
Auf der psychischen Ebene können solche Missbildungen durch Traumata
eintreten. Das archetypische Bild, die „Erbanlage“ des heilen
Vaters oder der heilen Mutter wird zerstört; zum Beispiel durch sexuellen
Missbrauch. Die Psychobionik ist nun ein solches Mittel, diese zerstörten
Bilder wiederherzustellen.
Gegen das vedische Gebot, sich nicht mit Negativem zu beschäftigen
und es stattdessen zu ignorieren, wird meiner Meinung nach hiermit nicht
verstoßen. Denn genauso wie es den Tiger gibt, gibt es auch das
Trauma. Ich kann den Tiger nicht ignorieren, ich muss fliehen oder mich
verteidigen. Bei einem Trauma führt die Flucht zur Verdrängung
oder gar Abspaltung, und wir bleiben weiter beschädigt. Psychobionik
transformiert den bedrohlichen Tiger zu einer eigenen inneren Kraft, zur
eigenen Lebensenergie, zur Ganzheit. Natürlich braucht nicht jeder
Psychobionik, aber es ist gut, daß es sie gibt.
Im Ayurveda ist es völlig klar, daß alle Lebewesen, alles Leben
danach strebt, möglichst angenehm und glücklich zu leben. Das
ist ein Prinzip des Lebens.
In der Psychobionik wird nun deutlich, daß dies tatsächlich
so ist und diese Therapie kann auch nur deshalb funktionieren. Das bedeutet,
dass immer die Seele des Klienten das Thema aussucht, das dran ist, nicht
der Innenweltbegleiter und auch nicht der Verstand des Klienten. Denn
es kann durchaus sein, daß ein Klient ein bestimmtes Thema will,
seine Innenwelt aber ein anderes Thema hervorbringt.
So ist es auch verständlich, daß bei jemandem, der zum ersten
Mal diesen Weg geht, die Seele den Innenweltbegleiter testet, ob er auch
vertrauenswürdig ist. Merkt die Seele, daß wirklich geholfen
wird, kommen nach und nach die Themen, die gelöst werden wollen.
Es kann natürlich auch sein, dass sich die Seele schon von dieser
irdischen Welt verabschiedet hat und zurück will. Auch das zeigt
sich dann ganz deutlich. Der Innenweltbegleiter hat grundsätzlich
dies alles zu akzeptieren, auch wenn es eine Begleitung in den Tod bedeutet.
Abschließende Bemerkungen zu diesem Thema.
Im Rahmen meiner Ausbildung zum Innenweltbegleiter habe ich eine Woche
zusammen mit drei weiteren Personen jeden Tag eine eigene Innenweltreise
gemacht und bei den drei anderen zugeschaut. Ganz deutlich konnte ich
beobachten, wie bei jedem von uns die Seelen erst den Innenweltbegleiter
getestet haben, ob sie ihm vertrauen können, ob es wirklich Verbesserungen
gibt.
Es war eine reine Freude mit ansehen zu dürfen, wie sich im Laufe
der Woche die Ausstrahlung der Menschen ins Lebendige verändert hat.
Diese Woche hat mir einen tiefen Respekt vor der Seele der anderen Menschen
gebracht, meine inneren Rache- und Wutgefühle abgebaut und mich zu
einem friedlicheren und glücklicheren Menschen gemacht.
Psychobionik und Yoga gehören für mich zusammen und sind Friedensarbeit.
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